Als der amerikanische Präsident George Bush im Jahr 2005 nach Deutschland kam, waren die Beziehungen zwischen den beiden Länder leicht gespannt. Er begegnete Außenminister Joschka Fischer, den er seit 2001 persönlich kannte und es trug sich folgender Dialog zu:

Bush: “Hello, what’s your name?” Fisher kontert: “My name is Mr. Fischer, what’s your name?” Bush irritiert: “Bush. I’m Mr. Bush.”

Hinter diesem cleveren Konter Fischers auf die Despektierlichkeit von George Bush steckt eine gekonnte Anwendung einer Schlagfertigkeits-Technik, mit der Sie höchst geistesgegenwärtig wirken. Mit ein wenig Training ist sie leicht zu beherrschen. Aber vorher noch ein Beispiel:

Kollegin Silke war mit 22 Jahren als junge Unternehmensberaterin das erste Mal beim Kunden. Der Projektleiter des Kunden fragte:

“Sind Sie nicht zu unerfahren, um diese Aufgabe zu übernehmen?”
Silke konterte: “Sind Sie nicht zu erfahren, um solche Fragen zu stellen?”
(Die beiden verstanden sich anschließend übrigens prächtig.)

Jeder Improvisationstheater-Spieler benutzt diese Technik als Standard, um schnell interessante Figuren zu einer Szene zu improvisieren. Dabei werden Körperhaltung und Gestus eines anderen Spielers kopiert. Für die Schlagfertigkeit brauchen wir allerdings nicht so weit zu gehen. Es reicht völlig, den Redestil und Satzbau des Gegenübers einigermaßen nachzuahmen. Bei Fischer und Bush war es die Frage “What’s your name?”. Joschka Fischer hatte es leicht, schon die identische Wiederholung zeigte seinem Gegenüber, dass er die zur Schau gestellte Geringschätzung des amerikanischen Präsidenten nicht auf sich sitzen ließ.

Der Clou dabei ist, dass Sie den Angreifer mit den eigenen Waffen schlagen. Sie können ihm meist dabei noch eine Eigenschaft unterstellen, nutzen Sie dafür die Eigenschaft, die Ihnen im Angriff untergeschoben wird. Im Falle von Silke war es das Attribut “zu unerfahren”, das sie sehr elegant mit “zu erfahren” beantwortet hat. Natürlich konnten beide die Erfahrung des anderen einschätzen. Im Grunde heißt der Satz übersetzt: “Das war aber jetzt eine blöde Frage.”, was als Aussage natürlich verletzend gewesen wäre und eventuell die Kommunikation weitreichend gestört hätte. Durch die schmeichlerische Unterstellung “Sie sind zu erfahren…” und den imitierten Satzbau wirkt das ganze versöhnlich. Wenn Sie diese Technik verwenden, sagen Sie damit: Wir sind auf einer Wellenlänge, Deine Sätze sind so schön, ich benutze die gleichen.

Mein Tipp:

Imitieren Sie bei Angriffen den Satzbau des Gegenübers. Drehen Sie dabei auf Sie gerichtete negative Attribute in das positive Gegenteil und zielen Sie so mit einem Kompliment auf Ihren Gesprächspartner.

Sie können diese Technik natürlich auch nutzen, um dem anderen etwas Negatives entgegen zu schleudern. Die Unterstellungen positiver Eigenschaften wirken allerdings meist sehr viel besser und sind weit weniger konfrontativ. Deshalb rate ich dazu, möglichst Dinge zu suchen, die im idealen Selbstbild des Gegenübers vorkommen. Denken Sie daran, dass Sie möglichst schnell wieder zu einer sachlichen Diskussion zurückkehren wollen.

“Sie haben einen merkwürdigen Arbeitsstil.”
“Sie haben eine merkwürdige Art, konstruktive Kritik zu äußern.”

Mit dieser Replik wird dem Angreifer unterstellt, dass er eigentlich einen konstruktiven Beitrag leisten wollte. Ihr Gegenüber wird dem kaum widersprechen wollen.

Und jetzt noch ein Klassiker unter den schlagfertigen Repliken nach diesem Muster:

Winston Churchill bekam von Lady Astor entgegen geschmettert:
“Wenn Sie mein Mann wären, würde ich Ihnen Gift geben!”.
Churchill konterte:
“Wenn Sie meine Frau wären, würde ich es nehmen!”