02. März 2008, die Sendung “Wer wird Millionär” läuft. Die Kandidatin Heike Schulz ist ausgewählt für die nächste Raterunde. Forsch schreitet Frau Schulz in die Ratearena und setzt sich nichts ahnend auf den Stuhl von Günther Jauch. Das Publikum applaudiert begeistert. Günther Jauch verzieht das Gesicht. Er geht zum Stuhl des Kandidaten und setzt sich mit einer gespielten Geste der Nieder-geschlagenheit. Die Kandidatin fragt besorgt “Alles gut?” Das Publikum johlt und pfeift.

Günther Jauch: “Guten Abend, es gibt doch immer noch Novitäten.” Das Publikum lacht begeistert. “Fällt Ihnen was auf?”. Frau Schulz greift zum Glas von Günther Jauch und trinkt nervös. Das Publikum jauchzt und applaudiert. Günther Jauch reicht ihr seine Moderationskarten: “Wir probieren das jetzt einfach mal so. Können Sie kurz mal meine Karten halten?” Frau Schulz realisiert “Ich bin falsch!”. Jauch kontert: “Das gibt mir jetzt mal die Möglichkeit, eine Million hinzuzuverdienen. Fragen Sie mich mal ein bisschen was. Wo ich so herkomm und so weiter…”

Jetzt passiert etwas Erstaunliches: Die Kandidatin macht tatsächlich mit. “Sie sind verheiratet, haben drei Kinder. Was machen sie beruflich?” Antwort von Jauch: “Ich bin selbstständig.” Einen Augenblick später fordert Jauch die Kandidatin auf, ihm “mal ein paar Fragen.” zu stellen. Ein Hinweis von der Regie: “Sie müssen noch nach der Variante fragen.” Jauch wählt die Risikovariante mit vier Jokern. Frau Schulz: “So hätte ich Sie auch eingeschätzt”. Jetzt übernimmt die Kandidatin tatsächlich die Moderatorenrolle. Sie fragt, Jauch beantwortet alle Antworten richtig bis zur 500 Euro-Frage, dann ist Schluss und die Plätze werden wieder gewechselt.

Aus einem kleinen Fehler hat sich hier ein äußert amüsanter Austausch von Schlagfertigkeiten ergeben. Und das, obwohl die Kandidatin höchst nervös war. Diese Situation konnte sich nur ergeben, weil sich beide auf den Fehler eingelassen und ihn nicht sofort korrigiert haben.

In unserer Business-Welt sind uns Fehler meist höchst peinlich. Bei Präsentationen sind das z. B der unbemerkte Rechtschreibfehler auf einer Folie oder der Beamer, der ausgerechnet im falschen Moment ausfällt. Lassen Sie doch mal auf den Fehler ein, das kann Sie wie Günther Jauch mit seiner Kandidatin zu neuen Ufern führen. Ein Kollege präsentierte einmal eine Folie, auf der das Hauptwort “Controlling” in Kleinschreibung stand. Er sagte: “Das Controlling soll in dieser Präsentation nur am Rand erwähnt werden, deshalb hab ich das mal klein geschrieben.” Falls das unpassend ist, können Sie den Satz auch umdrehen: “Das Controlling ist für uns sehr wichtig, deshalb habe ich anders geschrieben, damit es ins Auge fällt.”

Fehler sind das Tor zu neuen Entdeckungen. (James Joyce)

Stehen Sie zu Ihren Fehlern und öffnen Sie sich für neue Möglichkeiten.